Sockelbereich der Fassade: Abdichtung, Spritzwasser und Beschichtung richtig planen

Sockelbereich der Fassade: Abdichtung, Spritzwasser und Beschichtung richtig planen

Anneliese Kranz 12 Jan 2026

Der Sockelbereich der Fassade ist die schwächste Stelle jedes Hauses. Während die Wand darüber oft jahrzehntelang trocken und unbeschadet bleibt, zeigt sich hier schon nach wenigen Jahren: abblätternder Anstrich, weiße Ausblühungen, feuchte Flecken, abgeplatzter Putz. Warum? Weil hier alles zusammenkommt: Erdfeuchte, Regenwasser, Spritzwasser, Frost und Salze. Ein falsch ausgeführter Sockel führt nicht nur zu unschönen Flecken - er gefährdet die ganze Bausubstanz.

Was ist eigentlich der Sockelbereich?

Der Sockel ist nicht einfach der untere Teil der Wand. Er ist die Übergangszone zwischen dem erdberührten Fundament und der sichtbaren Fassade. Technisch definiert reicht er von etwa 20 cm unter der Geländeoberkante bis mindestens 30 cm darüber. In der Praxis bedeutet das: Alles, was innerhalb eines Armschlags vom Boden liegt, ist Sockel. Und das ist der Bereich, der am härtesten angegriffen wird.

Dort trifft Regenwasser von der Dachkante auf den Boden - und spritzt zurück. Dort steigt Feuchtigkeit aus dem Erdreich auf. Dort friert und tauet es immer wieder. Und dort sitzt die Abdichtung, die eigentlich alles abhalten soll. Doch oft ist sie zu niedrig, zu dünn oder einfach falsch eingebaut.

Warum ist die Abdichtung so wichtig?

Ohne eine funktionierende Sockelabdichtung wird das Mauerwerk nass - und bleibt nass. Die Feuchtigkeit zieht in den Putz, löst ihn von der Wand, lässt Salze aus dem Mauerwerk austritt. Das Ergebnis? Ausblühungen, die wie Salzkrusten aussehen. Oder der Putz löst sich ganz ab, weil die Feuchtigkeit den Kleber zerstört hat.

In Österreich, mit seinen kalten Wintern und feuchten Frühjahren, ist das ein häufiges Problem. Besonders bei älteren Häusern, die vor 1980 gebaut wurden, fehlt oft jede Abdichtung. Selbst bei Neubauten wird die Sockelabdichtung manchmal nur als Formsache abgehakt. Die Norm DIN 18533 schreibt aber klar vor: Der Sockel muss als Wassereinwirkungsklasse W4-E abgedichtet werden. Das bedeutet: Er muss gegen dauerhafte Bodenfeuchte und Spritzwasser geschützt sein.

Und das geht nicht mit einer einfachen Farbe. Es braucht ein System: eine dichte, flexible Schicht, die auch bei Temperaturschwankungen nicht reißt. Dafür kommen entweder flüssig verarbeitbare Dichtungsschlämme aus mineralischen oder Kunststoff-Basen, oder aber Bitumendickbeschichtungen zum Einsatz. Wichtig ist: Die Abdichtung muss lückenlos sein - von der Bodenplatte bis mindestens 30 cm über die Geländeoberkante. Und sie muss mit dem darüberliegenden Putz oder WDVS-System nahtlos verbunden sein.

Was macht ein WDVS-System beim Sockel?

Wenn Ihr Haus ein Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) hat, ist der Sockelbereich noch komplizierter. Hier kann man nicht einfach Putz auftragen und fertig. Die Dämmplatten am Sockel müssen anders sein als die an der Wand. Sie müssen wasserabweisend, druckfest und frostbeständig sein - sogenannte Perimeterdämmplatten.

Diese Platten werden mit speziellem Klebemörtel an der Wand befestigt und dann mit einem Gewebe verstärkten Putz überzogen. Der Putz muss mindestens 15 cm über die Geländeoberkante reichen. Und die Dübel, die die Platten halten, müssen ebenfalls mindestens 15 cm über dem Boden sitzen. Sonst werden sie von Feuchtigkeit angegriffen - und verlieren ihre Haltekraft.

Ein häufiger Fehler: Die Dämmplatten werden flächenbündig mit dem Putz abgeschlossen - also genau auf Höhe des Bodens. Das ist ein No-Go. Denn dann sammelt sich Wasser an der Nahtstelle, dringt nach innen und schädigt die Dämmung. Die Lösung: Eine kleine Kante, eine sogenannte Kehle, die das Wasser nach außen leitet. Dafür wird ein spezieller Kehlmörtel wie webertec 933 aufgetragen - ein mineralischer, flexibler Mörtel, der sich perfekt in die Ecke füllt und dann mit einem Hohlkehlenschlitten geglättet wird.

WDVS-Sockel mit Kehle zur Wasserabfuhr und Perimeterdämmung, Wasser läuft ab.

Spritzwasser - die unsichtbare Bedrohung

Abdichtung allein reicht nicht. Sie schützt gegen Feuchtigkeit aus dem Boden. Aber was ist mit dem Regenwasser, das von der Dachkante herunterprasselt und gegen die Wand spritzt?

Ein 30 bis 50 cm breiter Kiesstreifen direkt vor der Wand macht hier Wunder. Er fängt das Wasser ab, lässt es versickern und verhindert, dass es mit Erde und Schmutz gegen die Fassade geschleudert wird. In Sand- oder Mutterboden aufschlagende Regentropfen heben die oberste Bodenschicht auf - wie ein kleiner Staubsturm - und schleudern sie gegen die Wand. Das ist der Hauptgrund für die schwarzen Flecken unter Fenstern und an den Ecken.

Alternativ kann man Betonplatten oder spezielle Bodenplatten verlegen. Wichtig ist: Sie müssen leicht abfallen - also ein kleines Gefälle von mindestens 2 % nach außen haben. Kein Wasser darf sich an der Wand sammeln. Und der Kies oder die Platten dürfen nicht direkt an der Wand anliegen - ein Abstand von 5 cm ist ideal, damit Luft zirkulieren kann und Feuchtigkeit abziehen kann.

Die richtige Beschichtung für den Sockel

Nach der Abdichtung und dem Putz kommt die Oberfläche. Hier ist nicht jede Farbe geeignet. Normale Dispersionsfarben sind zu weich - sie halten dem Spritzwasser und den Frost-Tau-Wechseln nicht stand. Für den Sockel braucht man spezielle Sockelbeschichtungen: wasserabweisend, flexibel und atmungsaktiv.

Es gibt zwei Haupttypen: Silikatfarben und Silikonharzfarben. Silikatfarben binden sich chemisch mit dem Putz - sie werden Teil der Wand. Sie sind besonders langlebig und atmungsaktiv, aber weniger flexibel. Silikonharzfarben sind elastischer, besser gegen Spritzwasser und leichter zu reinigen. Sie eignen sich besonders gut für WDVS-Systeme.

Wichtig: Die Oberfläche muss trocken, sauber und fest sein, bevor man streicht. Alte, lose Putzreste müssen entfernt werden. Die Fläche wird mit einem Grundiermittel vorbehandelt - und dann mindestens zwei Schichten Farbe aufgetragen. Einmal streichen reicht nicht. Der Sockel braucht Schutz wie ein Panzer.

Was passiert, wenn man nichts tut?

Ein paar abblätternde Farbflecken - das ist doch nicht schlimm, denken viele. Doch das ist der Anfang vom Ende. Feuchtigkeit dringt tiefer ein. Sie erreicht die Mauerziegel, die Dämmung, den Keller. Die Folge: Schimmelbildung, Holzschäden an Fensterrahmen, beschädigte Elektroinstallationen. Und irgendwann muss man die ganze Fassade abreißen - und neu machen. Das kostet 5-10 Mal mehr, als eine rechtzeitige Sanierung.

Ein Haus in Graz, das 2023 saniert wurde, hatte im Sockelbereich schon 12 cm tiefen Putzverlust. Die Feuchtigkeit hatte das Mauerwerk bis zu 30 cm hoch angegriffen. Die Sanierung: 30 cm tiefe Abdichtung, neue Perimeterdämmung, Kiesstreifen, Silikonharzbeschichtung - Kosten: 8.500 €. Die Alternative: Komplette Fassadensanierung - Kosten: 42.000 €.

Vergleich: beschädigter Sockel mit Ausblühungen und feuchten Flecken vs. intakter Sockel.

Was muss man bei der Sanierung prüfen?

Bevor man anfängt, muss man genau schauen:

  • Wie hoch ist die Geländeoberkante wirklich? Oft ist sie durch Erdaufschüttung oder Rasen höher als auf den Plänen.
  • Wo ist die alte Abdichtung? Ist sie noch vorhanden, oder fehlt sie komplett?
  • Wie ist die Dämmung aufgebaut? Hat sie Feuchtigkeit aufgenommen?
  • Wie ist das Gefälle? Läuft das Wasser weg vom Haus?
  • Wo gibt es Kies oder Platten? Oder ist der Boden direkt an der Wand?

Und: Nur die sichtbare Schicht sanieren, reicht nicht. Man muss bis in den erdberührten Bereich vordringen. Das heißt: Eventuell Boden abtragen, alte Abdichtung entfernen, neue einbauen - und dann erst wieder auffüllen. Das ist aufwendig. Aber notwendig.

Was kostet eine fachgerechte Sockelsanierung?

Es gibt keine pauschalen Preise. Aber als Faustregel:

  • Abdichtung (Flüssigkunststoff oder Schlämme): 35-55 €/m²
  • Perimeterdämmung (für WDVS): 45-70 €/m²
  • Putzsystem mit Gewebe: 50-80 €/m²
  • Kiesstreifen (30 cm breit): 15-25 €/m
  • Spezialbeschichtung (Silikonharz): 25-40 €/m²

Ein Einfamilienhaus mit 40 m² Sockelbereich kostet bei vollständiger Sanierung zwischen 5.000 und 9.000 € - je nach Material und Aufwand. Das klingt viel. Aber im Vergleich zu einem Kellerbrand durch Feuchtigkeit oder einer kompletten Fassadenneuverkleidung ist es ein Schnäppchen.

Was kann man selbst tun?

Sie können nicht die Abdichtung selbst machen - das ist Facharbeit. Aber Sie können viel zur Vorbeugung beitragen:

  • Halten Sie den Bereich direkt vor der Wand frei - kein Laub, kein Mulch, kein Erdreich an der Wand.
  • Legen Sie einen Kiesstreifen an, wenn es noch keinen gibt.
  • Prüfen Sie jedes Jahr im Frühjahr, ob Putz oder Farbe abblättert - und lassen Sie es nicht länger als ein Jahr liegen.
  • Stellen Sie sicher, dass Regenrinnen nicht verstopft sind - sonst läuft das Wasser an der Wand herunter.
  • Vermeiden Sie Pflanzen direkt an der Wand - ihre Wurzeln schädigen die Abdichtung.

Ein guter Sockel ist unsichtbar. Er macht sich nicht bemerkbar - weil er funktioniert. Und das ist das Beste, was er tun kann.

Wie hoch muss die Sockelabdichtung mindestens sein?

Die Sockelabdichtung muss mindestens 30 cm über der Geländeoberkante reichen - laut DIN 18533. In der Praxis sollte sie 40-50 cm hoch sein, um Sicherheitspuffer zu haben. Der erdberührte Teil sollte mindestens 20 cm unter die Geländeoberkante reichen, damit Feuchtigkeit aus dem Boden nicht an der Wand hochsteigen kann.

Kann man den Sockel einfach neu streichen?

Nein. Wenn der Putz bereits abplatzt oder ausblüht, ist die Abdichtung defekt. Nur neu streichen hilft nicht - die Feuchtigkeit bleibt und zerstört den neuen Anstrich in kürzester Zeit. Zuerst muss die Ursache beseitigt werden: Abdichtung prüfen, ggf. erneuern, dann erst neu verputzen und beschichten.

Welche Materialien sind für den Sockel am besten geeignet?

Für die Abdichtung: Flüssigkunststoff, mineralische Dichtungsschlämme oder Bitumen. Für die Dämmung: Perimeterdämmplatten mit hoher Druckfestigkeit. Für den Putz: Gewebeverstärkte Systeme mit hoher Rissüberbrückung. Für die Beschichtung: Silikonharzfarben oder Silikatfarben - niemals normale Dispersionsfarben.

Warum ist ein Kiesstreifen so wichtig?

Ein Kiesstreifen verhindert, dass Regenwasser mit Erde und Schmutz gegen die Wand spritzt. Er lässt das Wasser versickern, reduziert die Feuchtigkeit an der Wand und hält den Sockel sauber. Ohne Kies ist die Fassade permanent mit Bodenmaterial beschmutzt - das beschleunigt den Verfall.

Wie erkenne ich, dass mein Sockel sanierungsbedürftig ist?

Anzeichen sind: abblätternder Anstrich, weiße Salzkrusten (Ausblühungen), dunkle Flecken, feuchte Stellen, lose oder poröse Putzflächen, Schimmel an der Wandnähe, Risse im Putz, die sich über die gesamte Sockelhöhe ziehen. Wenn zwei oder mehr dieser Anzeichen vorhanden sind, ist eine Sanierung nötig.