Wenn du in den Urlaub fährst, wer dann deine Wohnung oder dein Haus bewacht? Die Antwort ist nicht ein Hund oder ein Nachbar, der ab und zu vorbeischaut. Die Antwort ist Smarte Szenarien für Sicherheit - genauer gesagt: Anwesenheitssimulation. Es klingt wie Science-Fiction, ist aber längst Alltag in Österreich und anderswo. Und es funktioniert. Denn rund 90 Prozent aller Einbrüche passieren, wenn niemand zu Hause ist. Einbrecher suchen nicht nach schweren Türen. Sie suchen nach Leere. Und sie erkennen schnell, wenn ein Haus nur so tut, als wäre jemand da.
Was ist Anwesenheitssimulation wirklich?
Anwesenheitssimulation ist kein einzelnes Gerät. Es ist ein ganzes System, das mit deinen Smart Home-Geräten spricht. Es simuliert menschliche Aktivitäten - Licht, Geräusche, Bewegungen - so realistisch, dass ein Einbrecher denkt: „Hier ist jemand.“ Es geht nicht darum, eine Lampe zu einem festen Zeitpunkt einzuschalten. Das hat jeder schon probiert. Und das funktioniert nicht. Einbrecher kennen diese Muster. Wenn jedes Abend um 18:30 Uhr das Wohnzimmerlicht angeht, weiß jeder, der vorbeischaut: „Keiner da.“
moderne Systeme wie von Bosch, Hama oder Loxone nutzen Zufallsalgorithmen. Das Licht geht nicht immer zur gleichen Zeit an. Manchmal um 18:15, manchmal um 19:02. Manchmal nur für zehn Minuten, manchmal für eine Stunde. Und es wechselt die Räume. Ein Licht im Flur, dann ein Licht in der Küche, dann ein Licht im Schlafzimmer. Wie ein Mensch, der sich bewegt. Ein Fernseher, der sich zufällig einschaltet. Rollläden, die sich langsam öffnen und schließen. Musik, die aus einem anderen Zimmer kommt. Alles zusammen. Das ist der Unterschied.
Wie funktioniert das technisch?
Du brauchst drei Dinge: eine stabile WLAN-Verbindung, kompatible Geräte und eine App. Die App ist dein Steuerzentrum. Von der Arbeit aus, vom Strand aus, von einem Berggipfel aus - du kannst alles kontrollieren. Die Geräte? Das sind intelligente Lampen, die Farbtemperatur und Helligkeit variieren können. Smarte Rollladenmotoren, die sich nicht nur auf- und zufahren, sondern auch leicht schräg stellen, als ob jemand gerade das Fenster öffnet. Smarte Lautsprecher, die Hintergrundmusik oder sogar ein simuliertes Gespräch abspielen. Und das alles wird nicht von dir gesteuert. Sondern von einem Algorithmus, der dein normales Verhalten lernt.
Einige Systeme, wie von lebensräume.info beschrieben, speichern sogar deine täglichen Routinen. Du bist jeden Tag um 17:00 Uhr in der Küche, kochst, isst, schaltest den Fernseher ein. Das System merkt sich das. Und wenn du im Urlaub bist, spielt es diese Abläufe nach - mit kleinen Variationen. Nicht identisch. Aber nah genug, um echt zu wirken. Das ist der nächste Schritt. Nicht mehr „Licht an, Licht aus“. Sondern „Mensch verhält sich“.
Warum ist das besser als alte Zeitschaltuhren?
Zeitschaltuhren sind billig. Und sie sind tödlich einfach. Du stellst sie auf 18:00 Uhr. Jeden Tag. Das ist wie ein Schild: „Wir sind nicht da.“ Einbrecher beobachten Häuser. Sie schauen, ob sich etwas bewegt. Wenn das Licht immer gleich schaltet, wenn die Rollläden immer um 22:00 Uhr runterkommen - dann ist es kein Zufall. Es ist eine Maschine.
Smart-Home-Systeme dagegen lernen. Sie variieren. Sie machen kleine Fehler. Sie schalten das Licht manchmal nur kurz an, manchmal gar nicht. Sie lassen die Musik mal lauter, mal leiser. Sie öffnen den Rollladen nicht vollständig, sondern nur halb - wie jemand, der gerade zum Fenster geht, aber nicht hinaustritt. Diese Unvollkommenheit macht es echt. Einbrecher erwarten Perfektion. Sie erwarten Routine. Sie bekommen aber Chaos. Und das macht sie unsicher.
Was brauchst du, um loszulegen?
Du musst nicht dein ganzes Haus umbauen. Fang klein an. Hier ist ein praktischer Startplan:
- Licht im Wohnzimmer: Eine intelligente Lampe (z. B. Philips Hue, IKEA TRÅDFRI) mit Zufallsmodus. Stelle ein, dass sie zwischen 17:00 und 23:00 Uhr zufällig an- und ausgeht.
- Rolladen im Wohnzimmer: Ein Motor, der sich über die App steuern lässt. Programme, dass er sich morgens um 7:00 Uhr leicht öffnet - als ob jemand aufsteht - und abends um 21:00 Uhr wieder runterfährt.
- TV-Simulation: Ein alter Fernseher, der an einen Smart Plug angeschlossen ist. Der schaltet sich zufällig zwischen 19:00 und 22:00 Uhr ein. Die Leuchte am Fernseher geht an - das reicht. Du brauchst nicht mal einen Bildschirm.
- Außeneinrichtung: Eine Außenleuchte, die bei Einbruch der Dämmerung angeht. Einbrecher schauen nachts auf die Fassade. Wenn alles dunkel ist, ist es ein Ziel. Wenn ein Licht leuchtet, ist es ein Risiko.
- Geräusche: Ein Smart Speaker im Flur oder Wohnzimmer, der leise Musik oder Hintergrundgeräusche (Tassen klirren, Schritte, leises Gespräch) abspielt. Nicht zu laut. Nur genug, um den Eindruck zu erwecken.
Diese fünf Elemente kosten weniger als 300 Euro. Und sie sind viel wirksamer als eine teure Alarmanlage, die nur nach dem Einbruch reagiert. Diese Maßnahme verhindert ihn.
Was du unbedingt vermeiden solltest
Ein typischer Fehler: Du simulierst nur Licht. Das ist wie ein einziger Stern am Himmel. Einbrecher erkennen es sofort. Du simulierst nur eine Lampe im Wohnzimmer? Dann bleibt das Schlafzimmer dunkel. Das ist kein Zufall. Das ist ein Muster.
Ein weiterer Fehler: Du verwendest die gleichen Zeiten jeden Tag. „Licht an um 18:00, aus um 22:00.“ Das ist, als würdest du jeden Tag zur gleichen Zeit zur Arbeit fahren. Einbrecher wissen das. Sie beobachten deine Straße. Sie merken sich, wann das Licht an- und ausgeht. Und sie kommen, wenn es aus ist.
Und vergiss nicht: Wenn du im Urlaub bist, dann lass deine Pakete nicht vor der Tür liegen. Nichts sagt so laut „niemand da“ wie ein Paket, das drei Tage lang unberührt bleibt. Smarte Türkameras mit Gegensprechfunktion, wie sie Bosch anbietet, helfen hier. Du kannst sehen, wer vor der Tür steht - und sogar sprechen. „Ich komme gleich.“ Das reicht. Einbrecher fliehen, wenn sie Angst haben, erwischt zu werden.
Das ist kein Ersatz für ein Alarmsystem
Es ist wichtig: Anwesenheitssimulation ist keine vollständige Lösung. Sie ist die erste Linie der Verteidigung. Sie verhindert, dass jemand überhaupt versucht, einzubrechen. Aber wenn jemand trotzdem versucht - dann brauchst du noch mehr. Ein Türsensor, der meldet, wenn die Tür aufgebrochen wird. Eine Kamera, die den Einbruch aufzeichnet. Ein Alarmsignal, das laut losgeht.
Die besten Systeme kombinieren alles. Die Anwesenheitssimulation hält die Einbrecher draußen. Die Alarmanlage schützt, wenn sie doch reinkommen. Und die Kamera zeigt dir später, wer es war. Diese Kombination ist unbezahlbar. Und sie ist heute machbar. Nicht teuer. Nicht kompliziert. Nur clever.
Warum ist das gerade jetzt wichtig?
Der Smart-Home-Markt wächst. In Österreich steigt die Zahl der Haushalte mit intelligenten Geräten jedes Jahr. Laut Statista wird der globale Markt bis 2027 auf über 180 Milliarden US-Dollar wachsen. Warum? Weil Menschen Sicherheit wollen - ohne auf Komfort zu verzichten. Du willst nicht nur, dass dein Zuhause sicher ist. Du willst, dass es sich anfühlt, als wäre jemand da. Und das ist genau das, was Anwesenheitssimulation bietet.
In Graz, wo ich lebe, ist das besonders relevant. Viele Wohnungen sind im Sommer leer, wenn die Leute in die Berge fahren. Oder im Winter, wenn sie nach Italien reisen. Die Einbruchszahlen steigen in diesen Zeiten. Und die Polizei sagt immer wieder: „Einbrecher suchen nach Schwachstellen. Und die größte Schwachstelle ist Leere.“
Die Technik ist da. Die Geräte sind erschwinglich. Die Apps sind einfach. Du musst nicht programmieren. Du musst nicht installieren. Du musst nur eins tun: Deine Lichter, deine Rollläden, deine Geräusche - smart machen.
Was kommt als Nächstes?
Die Zukunft ist KI. Bald werden Systeme nicht nur dein Verhalten nachahmen. Sie werden es vorhersagen. Sie werden wissen, dass du am Donnerstag immer um 19:00 Uhr eine Tasse Kaffee trinkst. Und sie werden diesen Moment simulieren - mit einem leisen Klirren einer Tasse, einem leisen Schritt, einem leisen Lachen. Es wird nicht mehr Simulation sein. Es wird Nachahmung. Und das macht es unmöglich, zu erkennen, ob jemand da ist.
Du wirst nicht mehr sagen: „Ich habe eine Anwesenheitssimulation.“ Sondern: „Mein Zuhause lebt.“
Kann ich eine Anwesenheitssimulation auch ohne Smart Home nutzen?
Ja, aber mit Einschränkungen. Du kannst einfache Zeitschaltuhren für Lampen oder einen Radio-Simulator nutzen. Aber diese Systeme sind vorhersagbar. Einbrecher erkennen sie schnell. Smart Home-Geräte mit Zufallsalgorithmen sind viel effektiver, weil sie echtes menschliches Verhalten nachahmen - nicht nur eine feste Uhrzeit.
Wie viel kostet eine gute Anwesenheitssimulation?
Du kannst mit unter 200 Euro starten: Eine intelligente Lampe (ca. 40 €), ein Smart Plug für den Fernseher (ca. 25 €), einen Rollladenmotor für ein Fenster (ca. 100 €) und einen Smart Speaker (ca. 50 €). Das ist günstiger als ein Jahr Hausratversicherung. Und es verhindert, dass du überhaupt einen Einbruch erlebst.
Muss ich dafür eine App installieren?
Ja, fast immer. Die App ist dein Steuerzentrum. Sie erlaubt dir, die Zufallsalgorithmen einzustellen, die Szenarien zu ändern und von unterwegs zu kontrollieren. Einige Systeme wie Bosch Smart Home oder Loxone bieten auch Web-Apps, sodass du auch am Laptop steuern kannst. Aber die App am Smartphone ist der Standard.
Ist das auch für Mietwohnungen geeignet?
Absolut. Du brauchst keine Wand bohren. Smarte Lampen, Smart Plugs und Lautsprecher sind mobil. Du nimmst sie mit, wenn du ziehst. Viele Vermieter unterstützen sogar solche Systeme, weil sie die Wohnung sicherer machen. Einige Geräte wie IKEA TRÅDFRI oder Xiaomi Mi Home sind speziell für Mieter entwickelt - einfach, ohne Installation.
Wie sicher ist die Verbindung? Kann jemand die App hacken?
Gute Systeme verwenden verschlüsselte Verbindungen (wie Zigbee oder Z-Wave) und erfordern eine zweifache Authentifizierung. Die meisten Angriffe passieren über schwache Passwörter. Nutze ein starkes Passwort, aktiviere die Zwei-Faktor-Authentifizierung und aktualisiere die Firmware regelmäßig. Dann ist dein System sicherer als dein Handy.
Läuft das auch ohne Internet?
Einige Geräte arbeiten lokal - also ohne Internet. Aber die meisten Szenarien und Zufallsalgorithmen brauchen eine Verbindung zur Cloud, um zu funktionieren. Wenn das Internet ausfällt, bleiben die Geräte aber oft in ihrem letzten Zustand. Das heißt: Wenn das Licht an war, bleibt es an. Das ist besser als gar nichts. Aber für die volle Sicherheit brauchst du ein stabiles WLAN.