Warum steigen die Immobilienpreise, obwohl die Wirtschaft kaum wächst?
Im Jahr 2026 fragen sich viele Deutsche: Wie kann es sein, dass Wohnungen und Häuser immer teurer werden, während das BIP-Wachstum kaum über null Prozent hinauskommt? Die Antwort liegt nicht in einer einzigen Ursache, sondern in einem Zusammenspiel aus Nachfrage, Zinsen und regionaler Wirtschaftskraft. Der Immobilienmarkt in Deutschland hat sich seit dem Einbruch von 2023, als Bauzinsen bis zu 4 Prozent erreichten, nicht nur erholt - er hat sich neu sortiert. Und dabei spielen BIP und Arbeitsmarkt eine ganz andere Rolle, als viele denken.
Die Zinsen sind gefallen - das hat alles verändert
2023 war ein Jahr der Angst. Wer eine Wohnung kaufen wollte, musste mit Zinsen von 4 Prozent und mehr rechnen. Das hat viele aus dem Markt gedrängt. Doch seit Mitte 2024 hat sich das Bild gedreht. Die Bauzinsen sind auf etwa 3,5 Prozent gesunken. Das klingt nach wenig, aber für den Durchschnittskäufer macht es einen riesigen Unterschied. Ein Haus, das vor drei Jahren mit 300.000 Euro und 4 Prozent Zinsen eine monatliche Rate von etwa 1.450 Euro erforderte, kostet heute mit 3,5 Prozent nur noch 1.330 Euro. Das sind 120 Euro pro Monat mehr Geld im Portemonnaie. Diese Entlastung hat viele zurückgebracht - nicht nur die, die vorher gespart haben, sondern auch jene, die dachten, sie würden nie mehr kaufen können.
Die Kaufkraft ist zurück - und das ist entscheidend
Es ist kein Zufall, dass die Preise jetzt steigen, während die Inflation zurückgeht. Die Realeinkommen der Menschen sind wieder gestiegen. Laut Wüstenrot-Analyse vom November 2025 haben fast zwei Drittel der Haushalte in Deutschland höhere Lohnabschlüsse bekommen als die Inflation. Das bedeutet: Mehr Geld für das Gleiche. Und das Geld fließt nicht in Urlaube oder neue Autos - es fließt in Wohnraum. Besonders in Regionen mit starken Arbeitsmärkten, wie München, Frankfurt oder Köln, nutzen Käufer die bessere finanzielle Lage, um endlich eine Immobilie zu erwerben. Die Nachfrage ist also nicht nur da - sie ist aktiver denn je.
Der Arbeitsmarkt ist der wahre Treiber - nicht das BIP
Das BIP sagt wenig über den tatsächlichen Lebensstandard aus. Ein Land kann wirtschaftlich stagnieren, aber trotzdem viele Menschen in gut bezahlten Jobs haben. Und genau das passiert in Deutschland. Regionen mit einer Arbeitslosenquote unter 5 Prozent - wie München mit 3,2 Prozent oder Frankfurt mit 4,1 Prozent - zeigen die stärksten Preissteigerungen. In Dresden hingegen, wo die Arbeitslosigkeit bei 7,8 Prozent liegt, sind die Preise im November 2025 sogar leicht gefallen. Warum? Weil Menschen dort nicht in die Stadt ziehen, sondern wegziehen. Immobilienpreise folgen nicht dem BIP - sie folgen den Menschen. Und die Menschen ziehen dorthin, wo es Arbeit gibt. Das ist der entscheidende Faktor, den viele übersehen.
Wohnraum fehlt - und das wird immer schlimmer
Über die letzten drei Jahre wurden in Deutschland deutlich weniger Wohnungen fertiggestellt als nötig. Die Bundesbank schätzt, dass jährlich mindestens 400.000 neue Wohnungen gebraucht werden, um den Bedarf zu decken. 2024 wurden aber nur 280.000 fertig. Das Loch wird größer. Und das hat eine einfache Folge: Wer eine Wohnung sucht, hat weniger Auswahl. Das treibt die Preise. Besonders stark bei Bestandsimmobilien - sie stiegen im Vergleich zum zweiten Quartal 2025 um fast 1,5 Prozent, während Neubauwohnungen nur 0,19 Prozent zulegten. Warum? Weil Neubau noch immer teuer und langsam ist. Bestandswohnungen hingegen sind sofort verfügbar. Und wenn es an Angebot mangelt, zahlt man mehr.
Regionale Unterschiede sind größer denn je
Es gibt kein „deutsches“ Immobilienmarkt. Es gibt mindestens fünf verschiedene. In München stiegen die Preise für Eigentumswohnungen im November 2025 um 0,42 Prozent, in Dresden um -0,73 Prozent. In Köln lag der Mietanstieg im zweiten Quartal 2025 bei 3,3 Prozent, in Dortmund bei nur 0,3 Prozent. Wer in einer Großstadt wie Frankfurt lebt, muss mit Bieterverfahren rechnen, bei denen der Endpreis bis zu 15 Prozent über dem Angebotspreis liegt. Wer in einer kleineren Stadt wie Leipzig sucht, findet oft noch günstigere Angebote. Die Region ist heute wichtiger als der Bundesdurchschnitt. Wer eine Immobilie kaufen will, muss nicht mehr nur die Zinsen prüfen - er muss die lokale Wirtschaft analysieren. Wie viele Arbeitsplätze gibt es? Wie viele Menschen ziehen hierher? Wie viele Wohnungen wurden in den letzten Jahren gebaut?
Was bedeutet das für Käufer und Investoren?
Wenn du eine Immobilie kaufen willst, dann suche nicht nach dem billigsten Angebot. Suche nach dem stärksten Arbeitsmarkt. Eine Wohnung in einer Region mit niedriger Arbeitslosigkeit und steigenden Löhnen ist langfristig sicherer als eine teurere in einer Region mit abnehmender Wirtschaftskraft. Die Sparkasse empfiehlt seit Oktober 2025, mindestens sechs Monate für die Suche einzuplanen - und dabei nicht nur die Wohnung, sondern die Stadt zu prüfen. Achte auf die Energieeffizienz: Immobilien mit guter Energieklasse (A+ oder B) steigen laut Dr. Klein-Analyse im Schnitt 0,8 Prozent schneller als schlecht isolierte Wohnungen. Und das wird sich in Zukunft noch verstärken, denn die neue Wohnraumoffensiv-Verordnung von Dezember 2025 fördert genau diese Typen.
Die Zukunft: Stabilität oder Blase?
Der BVR prognostiziert für 2026 eine Preissteigerung von 3,1 Prozent - und bleibt optimistisch. Die ADI-Akademie warnt davor, dass das schwache BIP-Wachstum eine Zeitbombe sein könnte. Wenn die Arbeitslosigkeit wieder steigt, weil Unternehmen in Krisenregionen schließen, könnte der Markt korrigieren. Die Deutsche Bundesbank hat deshalb im Januar 2026 ein Monitoring-System für regionale Märkte eingeführt. Sie beobachtet genau, wo die Preise zu schnell steigen - und wo die Menschen nicht mehr bezahlen können. Die Hoffnung vieler, dass die Preise bald fallen, wird sich nicht erfüllen. Aber die Hoffnung, dass sie stabil bleiben, ist real - wenn du in die richtige Region investierst.
Was du jetzt tun kannst
- Prüfe die Arbeitslosenquote deiner Wunschregion - unter 5 Prozent ist ein gutes Zeichen.
- Vermeide Städte mit sinkender Bevölkerung - sie verlieren langfristig an Wert.
- Setze auf Immobilien mit hoher Energieeffizienz - sie gewinnen schneller an Wert.
- Denk an die Verkehrsanbindung: Wer in Frankfurt arbeitet, kann in Darmstadt wohnen - und spart bis zu 20 Prozent.
- Plane mindestens sechs Monate für die Suche ein - der Markt ist nicht mehr wie vor 2020.
Die wichtigste Erkenntnis
Der Immobilienmarkt folgt nicht der Wirtschaft insgesamt - er folgt den Menschen. Und die Menschen ziehen dorthin, wo es Arbeit gibt, wo die Löhne steigen und wo es Wohnungen gibt. Das BIP ist nur ein statistischer Durchschnitt. Der Arbeitsmarkt ist der echte Motor. Wer das versteht, findet nicht nur eine Wohnung - er findet eine sichere Investition.