Innendämmung für denkmalgeschützte Häuser: Die richtigen Materialien und wie Sie Risiken vermeiden

Innendämmung für denkmalgeschützte Häuser: Die richtigen Materialien und wie Sie Risiken vermeiden

Angela Shanks 28 Jan 2026

Ein denkmalgeschütztes Haus zu sanieren, ist wie eine Operation am Herzen eines alten Menschen: Man will es gesund machen, aber nicht verändern. Die meisten Besitzer von Altbauten aus dem 19. oder frühen 20. Jahrhundert stehen vor dem gleichen Dilemma: Sie wollen Heizkosten senken, aber die Fassade bleibt unangetastet. Die Lösung? Innendämmung. Doch wer das einfach so macht, riskiert Schimmel, feuchte Wände und sogar den Verlust des Denkmalschutzes.

Warum Innendämmung bei historischen Häusern oft die einzige Option ist

Außendämmung klingt attraktiv - sie spart mehr Energie, verändert den Raum nicht und schützt die Mauer von außen. Doch bei denkmalgeschützten Gebäuden ist sie fast immer verboten. Die Denkmalschutzbehörden in Deutschland schützen das äußere Erscheinungsbild: Ziegel, Putz, Fachwerk, Fensterformen - alles muss erhalten bleiben. Laut dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr werden weniger als 15 % der Anträge auf Außendämmung genehmigt. Das heißt: Wenn du dein Gründerzeit-Haus sanieren willst, bleibt dir oft nur die Innenseite.

Innendämmung ist keine Notlösung. Sie ist eine spezialisierte Technik, die seit den 2010er Jahren deutlich verbessert wurde. Heute gibt es Materialien, die nicht nur wärmen, sondern auch Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben - genau das, was alte Mauern brauchen. Ohne diese Eigenschaften würdest du die Wand zum Feuchtespeicher machen. Und das ist der größte Fehler, den viele machen.

Welche Materialien wirklich funktionieren - und welche nicht

Nicht jedes Dämmmaterial ist für denkmalgeschützte Häuser geeignet. Gängige Styroporplatten oder Mineralwolle mit Folienummantelung sind tabu. Sie blockieren die Dampfdiffusion und führen dazu, dass Feuchtigkeit in der Wand eingeschlossen wird. Das Ergebnis? Schimmel, faulende Holzbalken, abblätternder Putz.

Die richtigen Materialien haben drei Eigenschaften:

  • Diffusionsoffen: Der Dampfdiffusionswiderstand (μ) muss unter 15 liegen. Das heißt, Wasserdampf kann durch das Material ziehen.
  • Kapillaraktiv: Sie nehmen Feuchtigkeit auf, wenn die Luft feucht ist, und geben sie wieder ab, wenn sie trockener wird.
  • Dünn und stark: Die Dicke darf nicht mehr als 60-80 mm betragen, sonst verliert das Zimmer zu viel Raum.
Hier sind die drei besten Materialien für denkmalgeschützte Häuser:

  1. Kalziumsilikatplatten: Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,045-0,050 W/(m·K) sind sie leichter als Ziegel. Sie sind kapillaraktiv, schimmelresistent und können Luftfeuchtigkeit bis zu 95 % vertragen. Das ist der Standard in Lübeck, Hamburg und München.
  2. Aerogelplatten: Diese sind fast magisch. Bei nur 10-20 mm Dicke erreichen sie eine Wärmeleitfähigkeit von 0,015-0,020 W/(m·K). Das ist fast dreimal besser als herkömmliche Dämmung. Sie sind teuer, aber ideal für Räume mit wenig Platz - etwa unter Fensterbänken oder in engen Treppenhäusern.
  3. Biobasierte Dämmstoffe: Hanf, Holzfaser oder Stroh haben eine Wärmeleitfähigkeit von 0,035-0,045 W/(m·K). Sie sind nachhaltig, aber nur mit Lehm- oder Kalkputz verarbeitbar. Wer ein Haus mit originalen Putzflächen sanieren will, greift oft zu diesen Materialien.
Das Rigips RigiTherm-System ist eine der meistgenutzten Lösungen. Es kombiniert eine 32 mm starke Verbundplatte mit einem speziellen Profil für Fensterlaibungen. Seit der Version 2.0 (2025) hat es eine 15 % bessere Feuchtigkeitsregulation - das macht es zur ersten Wahl vieler Sanierer in Schleswig-Holstein.

Die größten Risiken - und wie du sie vermeidest

Innendämmung ist kein DIY-Projekt. Wer das selbst macht, riskiert nicht nur hohe Kosten, sondern auch den Verlust des Denkmalschutzes. Die häufigsten Fehler:

  • Keine bauphysikalische Berechnung: Über 60 % der Schäden entstehen, weil niemand die Feuchtigkeitsbilanz mit WUFI berechnet hat. Das ist kein Gimmick - das ist Pflicht. Die Software simuliert, wie Feuchtigkeit in der Wand im Winter und Sommer wandert. Ohne diese Berechnung ist die Dämmung ein Glücksspiel.
  • Falsche Vorbereitung der Wand: 42 % der Schäden kommen von unzureichend gereinigten oder feuchten Untergründen. Alte Putzschichten müssen abgeschlagen werden, bis die Mauer trocken ist. Wer das überspringt, klebt die Dämmung auf einem nassen Schwamm.
  • Wärmebrücken ignorieren: Fensterlaibungen, Deckenanschlüsse, Rohrdurchführungen - dort kühlt die Wand am stärksten aus. Ohne spezielle Profile wie das RigiTherm ThermoProfil entsteht dort Kondenswasser. Das führt zu Schimmel, der oft erst nach 12-18 Monaten sichtbar wird.
  • Keine Genehmigung eingeholt: Ein Nutzer auf Reddit berichtete, dass seine Innendämmung ohne Genehmigung eingebaut wurde. Die Denkmalschutzbehörde ordnete die komplette Entfernung an - Kosten: 10.700 €.
Die Lösung? Drei Schritte:

  1. Genehmigung einholen: Das dauert 8-12 Wochen. Du brauchst einen Denkmalpfleger, der die Pläne vorlegt.
  2. WUFI-Berechnung machen: Lass das von einem Bauphysiker tun. Kosten: 800-1.500 €, aber es verhindert 90 % der Probleme.
  3. Fachbetrieb beauftragen: Nicht jeder Dämmfachmann kennt denkmalgeschützte Bausubstanz. Frag nach Erfahrungen mit Kalziumsilikat oder Aerogel in historischen Gebäuden.
Querschnitt einer historischen Wand mit Aerogeldämmung und Dampfdiffusion, detaillierte technische Darstellung.

Was kostet es - und lohnt sich das?

Die Kosten liegen zwischen 120 und 180 € pro Quadratmeter - inklusive Material, Arbeit und Anschlüsse. Für ein 100 m²-Haus sind das 12.000-18.000 €. Klingt viel. Aber:

  • Du sparst 20-30 % an Heizkosten. Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 2.500 € sind das 500-750 € pro Jahr.
  • Die Wohnfläche geht um 6-10 cm pro Wand - das ist bei 100 m² etwa 5-7 m² Verlust. In kleinen Zimmern spürbar, aber akzeptabel.
  • Die Immobilie wird wertvoller. Sanierungen mit genehmigter Innendämmung werden von Käufern bevorzugt - besonders in Städten wie Lübeck, Potsdam oder Dresden.
Die Rendite ist langsam, aber sicher. Nach 15-20 Jahren hast du die Kosten amortisiert. Und du hast dein Haus nicht zerstört - du hast es erhalten.

Was Experten wirklich sagen - und was du nicht hören willst

Prof. Dr. Hartwig Künzel vom Fraunhofer-Institut sagt klar: „Innendämmung ist kein Endzustand. Sie muss rückbaubar sein.“ Das heißt: In 50 Jahren sollte man die Dämmung entfernen können, ohne die alte Mauer zu beschädigen. Nur dann ist sie denkmalpflegerisch vertretbar.

Dr. Sabine Zehnder vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege warnt: „Wir sehen immer wieder, dass Leute glauben, sie hätten ein Wundermittel gefunden. Aber ohne Berechnung ist es ein Risiko.“

Und dann ist da noch die Realität: Auf Trustpilot hat Innendämmung 3,7 von 5 Sternen. Die positiven Bewertungen sprechen von angenehmerem Raumklima und niedrigeren Heizkosten. Die negativen? Schimmel, feuchte Wände, teure Nachbesserungen.

Die Wahrheit ist einfach: Es funktioniert - aber nur, wenn du es richtig machst.

Bausachverständiger mit WUFI-Tablet neben einer denkmalgeschützten Wand mit RigiTherm-System.

Was kommt als Nächstes? Die Zukunft der Innendämmung

2026 wird ein Wendepunkt. Das Fraunhofer-Institut stellt ein neues reversibles Innendämmsystem vor - eine Art Klett-System aus Holzfaser und Lehm, das man einfach abnehmen kann, ohne Spuren zu hinterlassen. Das ist der nächste Schritt.

Auch die Materialien werden dünner. Aerogelkomposite mit einer Wärmeleitfähigkeit unter 0,010 W/(m·K) sind in Entwicklung. Das bedeutet: In zehn Jahren könnte man mit nur 5 mm Dämmung dieselbe Wirkung erzielen wie heute mit 80 mm.

Und die Gesetze? Sie werden strenger. Die Deutsche Gesellschaft für Holzschutz wird 2026 eine neue Richtlinie veröffentlichen, die genaue Feuchtigkeitsgrenzwerte für Holzbalkendecken festlegt. Wer das nicht beachtet, riskiert nicht nur Schäden - sondern auch Strafen.

Was du jetzt tun solltest

Wenn du ein denkmalgeschütztes Haus hast und an Innendämmung denkst:

  1. Prüfe die Wand: Ist sie trocken? Gibt es schon Schimmel? Wenn ja, erst die Ursache beseitigen.
  2. Suche einen Spezialisten: Nicht jeder Dämmfachmann ist geeignet. Frag nach Referenzen bei denkmalgeschützten Gebäuden.
  3. Beantrage die Genehmigung: Mach das zuerst. Keine Sanierung ohne Zustimmung der Behörde.
  4. Bestelle eine WUFI-Berechnung: Das ist dein Schutzschild gegen spätere Probleme.
  5. Wähle das richtige Material: Kalziumsilikat oder Aerogel - je nach Raum und Wand.
Denk daran: Du baust nicht nur eine Dämmung ein. Du bewahrst ein Stück Geschichte. Und das verdient mehr als eine schnelle Lösung.

2 Kommentare

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    Justice Siems

    Januar 30, 2026 AT 00:58

    Ich hab letztes Jahr meine 120-jährige Wohnung mit Kalziumsilikat gedämmt – und ja, es funktioniert. Kein Schimmel, keine Kondenswasserflecken, und die Wand atmet noch. Aber: Die Arbeit war ein Albtraum. Die Handwerker hatten keine Ahnung, was sie tun. 🤦‍♂️

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    Astrid van Harten

    Januar 30, 2026 AT 11:04

    Aha, also Aerogel ist die neue Wunderwaffe? Und ich dachte, das ist nur für Raumschiffe. 😏 Jetzt muss ich nur noch 20.000 € aufbringen und mein Haus in eine NASA-Station verwandeln. Vielleicht kriege ich dafür sogar eine staatliche Förderung – für interstellare Renovierung? 🚀

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