Fensterbank aus Naturstein oder Holz: Was hält länger und ist leichter zu pflegen?

Fensterbank aus Naturstein oder Holz: Was hält länger und ist leichter zu pflegen?

Angela Shanks 22 Feb 2026

Wenn du eine neue Fensterbank planst, stehst du vor einer echten Entscheidung: Naturstein oder Holz? Beide Materialien sehen gut aus, aber was wirklich zählt, ist, wie sie sich im Alltag verhalten. Wie pflegintensiv sind sie? Wie lange halten sie? Und wo eignen sie sich wirklich? Hier bekommst du klare Antworten - ohne Werbeversprechen, nur Fakten aus echten Tests und Erfahrungen.

Wie lange hält eine Fensterbank aus Naturstein?

Naturstein, besonders Granit, ist die härteste Wahl, die du für deine Fensterbank haben kannst. Ein gut verarbeiteter Granitblock übersteht Jahrzehnte ohne nennenswerten Abnutzung. Laut TÜV Rheinland (2023) überstehen Granitbänke in Küchen 98 % aller Alltagsbelastungen - Pfannen, Messer, Töpfe - ohne sichtbare Kratzer. Das liegt an der hohen Mohs-Härte von 6 bis 7. Im Vergleich: Ein normales Küchenmesser hat eine Härte von 5,5. Es kratzt also nicht ein, es gleitet ab.

Marmor hingegen ist weicher (Mohs-Härte 3-4) und reagiert empfindlich auf Säuren. Zitronensaft, Essig oder sogar Reinigungsmittel mit pH-Wert unter 3 hinterlassen sofort weiße Flecken. Das ist kein Defekt, das ist chemische Reaktion. Selbst versiegeltes Marmor bleibt anfällig. Ein Nutzer auf dem Bauexpertenforum berichtet nach 18 Monaten fünf Kalkflecken trotz Versiegelung - und die Reinigung mit Zitronensäure hat es nur schlimmer gemacht.

Die Haltbarkeit von Naturstein liegt bei 50 Jahren und mehr, wenn er richtig behandelt wird. Das ist kein Marketing-Gesichtspunkt, das ist eine Messung. Die Stiftung Warentest gab Naturstein in der Kategorie Haltbarkeit die Note „sehr gut“ (1,7). Aber: Pflegeaufwand? Da sinkt die Note auf „befriedigend“ (3,2). Du musst alle 1-2 Jahre nachversiegeln, mit speziellen Silikonharz-Produkten wie Lithofin MN. Und nach der Versiegelung braucht die Fläche 24 Stunden Trockenzeit - kein Wasser, kein Staub, kein Kontakt. Sonst wird die Schutzschicht ungleichmäßig.

Wie lange hält eine Fensterbank aus Holz?

Holz hat einen anderen Charme: Es wirkt warm, lebendig, altersgerecht. Eine Eichenfensterbank aus Massivholz, richtig behandelt, kann 20-30 Jahre halten. Nicht weil sie unverwüstlich ist, sondern weil du sie pflegen kannst. Das ist der Schlüssel: Holz altert, aber du kannst es wiederherstellen.

Die meisten Holzfensterbänke in deutschen Wohnungen bestehen aus Eiche (75 % Marktanteil) oder Buche. Eiche hat eine Janka-Härte von 6,7 kN - das ist solide, aber nicht unzerbrechlich. Kratzer entstehen schneller als bei Granit. Laut einer Umfrage von 1.240 Nutzern haben 60 % der Holzbänke nach drei Jahren erste Kratzer. Aber: Das ist kein Grund zur Panik. Mit Hartwachsöl, wie Osmo 3062, kannst du tiefe Kratzer ausbessern. Ein YouTube-User zeigt, wie er mit Bienenwachsöl und einem Mikrofasertuch einen 2 mm tiefen Kratzer in seiner 30 Jahre alten Eichenbank verschwinden lässt - ohne Bohrer, ohne Schleifer.

Das Problem bei Holz ist nicht die Härte, sondern die Feuchtigkeit. In Bädern oder Küchen nimmt Holz Wasser auf - bis zu 12 % Volumenausdehnung. Das führt zu Verformungen, Rissen, Schimmel. Die Stiftung Warentest bewertet Holz in dieser Kategorie mit „mangelhaft“ (4,1). Selbst wenn du es mit Öl behandelst, bleibt es anfällig. Ein Fallbericht aus dem Bauexpertenforum zeigt eine Holzbank, die nach zwei Jahren Heizperiode an der Naht zur Wand gerissen ist - weil die Fugenbreite unter 2 mm lag. Holz braucht Platz, um sich auszudehnen. Sonst reißt es.

Pflege: Welches Material ist wirklich einfacher?

Hier liegt der Unterschied klar: Naturstein ist robust, aber anspruchsvoll. Holz ist anfällig, aber reparierbar.

Bei Naturstein musst du:

  • Alle 1-2 Jahre nachversiegeln (mit speziellem Silikonharz, nicht mit Öl!)
  • Keine säurehaltigen Reiniger verwenden (Zitrone, Essig, WC-Reiniger)
  • Bei Flecken sofort abwischen - besonders bei Marmor
  • 24 Stunden nach Versiegelung nichts auf die Fläche stellen

Bei Holz musst du:

  • Jährlich mit Hartwachsöl nachölen (max. 80 ml/m² - mehr macht es klebrig)
  • Vermeiden, dass Wasser länger als 10 Minuten auf der Fläche bleibt
  • Fugenbreite immer mindestens 2 mm lassen - besonders bei Heizkörpern
  • Keine Dampfreiniger oder feuchte Tücher verwenden

Der Aufwand ist also nicht „weniger“ bei Holz - er ist „anderer“. Du musst nicht jeden Monat etwas tun, aber du musst regelmäßig etwas tun. Und wenn du es vergisst, sieht es nicht nur schlecht aus - es wird kaputt.

Hände oilen eine Eichenfensterbank mit Hartwachsöl, um einen Kratzer zu reparieren.

Wo setzt du welches Material ein?

Das ist entscheidend: Nicht jede Fensterbank passt in jeden Raum.

Naturstein (Granit) ist ideal für:

  • Küchen - wegen der Kratz- und Hitzebeständigkeit
  • Badezimmer - wenn es versiegelt ist (aber nur Granit oder Basalt, nicht Marmor!)
  • Flure mit viel Verkehr - wegen der extremen Haltbarkeit

Holz ist ideal für:

  • Wohnzimmer - es fühlt sich warm an, reflektiert nicht die Sonne
  • Schlafzimmer - keine chemischen Gerüche, angenehme Wärme
  • Historische Häuser - passt zur Architektur, lässt sich nacharbeiten

Vermeide Holz in Bädern und Küchen - auch wenn es schön aussieht. Die Feuchtigkeit wird es über kurz oder lang ruinieren. Und vermeide Marmor in Küchen - selbst wenn er teuer ist. Ein Tropfen Zitronensaft reicht, und die Oberfläche sieht aus wie ein Kalkfleck-Atlas.

Preis und Gewicht: Was kostet was?

Preise variieren stark, aber die Größenordnung ist klar:

Vergleich von Naturstein und Holz: Kosten und Gewicht
Material Preis pro Meter Gewicht pro Meter Montageaufwand
Granit (poliert) 50-120 € 30-50 kg 6-8 Stunden (mit Betonsockel)
Marmor (poliert) 100-180 € 35-55 kg 8-10 Stunden (stabile Trägerkonstruktion nötig)
Massivholz (Eiche) 80 € 8-12 kg 2-3 Stunden (mit Verstärkung)
Furnierte Holzplatte 30-50 € 6-9 kg 1-2 Stunden

Granit ist nicht immer günstiger als Holz - aber es hält länger. Holz ist günstiger in der Anschaffung, aber du musst jährlich nachpflegen. Ein Jahr lang Hartwachsöl kostet etwa 20 €. In 10 Jahren sind das 200 € - fast so viel wie ein neuer Granitblock. Aber du kannst ihn retten. Bei Naturstein kannst du ihn nicht retten - nur ersetzen.

Gesplittete Fensterbank: Granit links, Holz rechts, mit Umgebungskontext Bad und Wohnzimmer.

Was kommt als Nächstes? Trends und Innovationen

Der Markt verändert sich. Lapis Gold arbeitet an einer selbstheilenden Nanoversiegelung für Marmor - Kratzer bis 0,1 mm Tiefe sollen sich von selbst schließen. Das ist noch in der Testphase, aber es zeigt: Die Branche will Naturstein nutzbarer machen.

Gleichzeitig entwickelt die Deutsche Holzwirtschaftsrat eine neue Norm: „klimaresilientes Holz“. Ziel: Feuchtigkeitsaufnahme von 8-12 % auf nur 3 % senken. Wenn das klappt, könnte Holz in Bädern und Küchen wieder eine echte Option werden.

Aber der größte Trend ist der Kunststein: Agglo-Marmor. Das ist kein echter Stein, sondern 70 % Natursteinmehl mit 30 % Harz. Es sieht aus wie Marmor, kostet 45 % weniger und ist kratz- und säurebeständig. Ein Test von Hausbaukurs (2024) zeigt: 92 % der Nutzer können es nicht von echtem Marmor unterscheiden. Für viele ist das der perfekte Kompromiss - ohne das Gewicht, ohne die Pflege, ohne die Preissprünge.

Was ist die beste Wahl für dich?

Wenn du:

  • … eine Küche hast, in der Kinder essen, Töpfe rausfallen und täglich geschnitten wird - nimm Granit.
  • … ein Badezimmer mit viel Dampf und wenig Sonne hast - nimm Granit, nicht Marmor.
  • … ein Wohnzimmer mit viel Sonne hast - nimm Holz. Naturstein wird dort heiß wie ein Ofen (bis zu 18 °C über Raumtemperatur).
  • … ein altes Haus sanierst und Originalität wertschätzt - nimm Holz. Es lässt sich nacharbeiten, es altert mit dem Haus.
  • … keine Lust auf regelmäßige Pflege hast - nimm Granit. Aber nur, wenn du bereit bist, einmal alle zwei Jahre die Versiegelung zu erneuern.
  • … du lieber etwas tun als viel bezahlen - nimm Holz. Du sparst beim Kauf, aber du musst öfter handeln.

Es gibt keine „bessere“ Wahl. Nur die passende. Und die hängt nicht davon ab, was trendy ist. Sondern davon, wie du lebst.

Ist Marmor für die Küche geeignet?

Nein, Marmor ist für Küchen nicht empfehlenswert. Er ist weich, reagiert empfindlich auf Säuren wie Zitronensaft, Essig oder Tomatensauce, und hinterlässt sofort weiße Flecken. Selbst versiegeltes Marmor ist anfällig. Granit ist die einzige Natursteinart, die in Küchen sicher eingesetzt werden kann.

Kann man Holzfensterbänke im Badezimmer verwenden?

Nur mit großer Vorsicht. Holz nimmt Feuchtigkeit auf und quillt auf - das führt zu Rissen, Schimmel und Verformung. Selbst bei jährlichem Ölen ist das Risiko hoch. Wenn du Holz im Badezimmer willst, wähle eine gut belüftete Stelle, keine Duschnähe, und verwende nur klimaresistentes Holz mit moderner Imprägnierung - aber selbst dann ist Granit die sicherere Wahl.

Wie oft muss man eine Holzfensterbank nachölen?

Einmal pro Jahr ist die empfohlene Regel. Nutze nur Hartwachsöl (z. B. Osmo 3062), nicht Öl mit Lösungsmitteln. Die Menge sollte nicht über 80 ml pro Quadratmeter liegen - mehr macht die Oberfläche klebrig und zieht Schmutz an. Bei starkem Gebrauch (z. B. in Wohnzimmern mit viel Sonne) kann eine zweite Behandlung nach 6 Monaten sinnvoll sein.

Was kostet die Versiegelung einer Natursteinfensterbank?

Ein 250-ml-Flacon Silikonharz-Versiegelung (z. B. Lithofin MN) kostet etwa 30 € und reicht für 3-4 Quadratmeter. Eine Fensterbank braucht meist 1-2 Quadratmeter. Das bedeutet: Jede Versiegelung kostet 10-15 €. Du musst das alle 1-2 Jahre wiederholen. Dazu kommt der Aufwand: 24 Stunden Trockenzeit, keine Nutzung, keine Feuchtigkeit.

Ist Kunststein (Agglo-Marmor) eine gute Alternative?

Ja, besonders wenn du das Aussehen von Marmor willst, aber keine Pflege und kein hohes Gewicht. Agglo-Marmor besteht aus 70 % Natursteinmehl und 30 % Harz. Er ist kratzfest, säurebeständig, leichter als echter Stein und kostet 45 % weniger. Er sieht fast identisch aus - viele Nutzer können ihn nicht von echtem Marmor unterscheiden. Er ist die beste Wahl für Badezimmer und Küchen, wenn du Wert auf Optik und Einfachheit legst.