Altersgerecht umbauen: So wird die Dusche und das WC sicher und barrierefrei

Altersgerecht umbauen: So wird die Dusche und das WC sicher und barrierefrei

Anneliese Kranz 2 Feb 2026

Warum das Badezimmer der gefährlichste Raum im Haus ist

Fast jeder dritte Sturz im Alter passiert im Badezimmer. Das ist keine Zufallstatistik - das ist eine klare Warnung. Die Fliesen sind glatt, der Boden nass, und eine kleine Schwelle von nur zwei Zentimetern kann für jemanden mit eingeschränkter Mobilität zur tödlichen Falle werden. Besonders kritisch sind Dusche und WC: Beide Orte brauchen keine große Veränderung, aber sie brauchen die richtige Ausstattung. Und das kostet nicht immer eine halbe Million, aber es kostet mehr als eine neue Duschwanne aus dem Baumarkt.

Was macht eine Dusche wirklich altersgerecht?

Ein altersgerechtes Bad fängt mit der Dusche an. Nicht mit einer Kabine, nicht mit einer Wanne, sondern mit einer bodengleichen Dusche. Das bedeutet: Keine Schwelle. Kein Übergang. Kein Stolpern. Die meisten Menschen denken, eine Dusche mit niedriger Schwelle reicht. Das tut sie nicht. Selbst 1,5 cm Höhe, wie ein Handwerker in Graz mir erzählte, kann eine 82-jährige Frau mit einem leichten Gleichgewichtsproblem nicht mehr sicher übersteigen. Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt seit 2024: Null Zentimeter Schwelle. Punkt.

Doch eine bodengleiche Dusche ist kein Plug-and-Play-Produkt. Sie braucht eine spezielle Abdichtung, eine tiefere Ablaufrinne und einen Bodenbelag mit Rutschhemmung R11 oder R12. Die kostet zwischen 6.000 und 8.000 Euro, inklusive Einbau. Eine billige Alternative - eine Duschwanne mit Ablaufgarnitur - kostet nur 85 Euro, aber sie bleibt eine Schwelle. Und das ist kein altersgerechtes Bad, das ist ein Risiko mit Fliesen.

Die Größe zählt auch. 120 cm × 120 cm ist die absolute Mindestgröße, wenn jemand mit einem Duschhocker oder sogar einem Rollstuhl duschen soll. In kleineren Räumen wird es eng. Und wer denkt, er könnte einfach eine Duschbank einbauen, hat vergessen: Der Platz um die Dusche herum muss mindestens 150 cm Durchmesser haben. Sonst kann eine Pflegekraft nicht helfen, wenn es nötig ist.

Das WC: Warum wandhängend das einzige richtige ist

Ein normales WC aus dem Baumarkt, das 80 Euro kostet, ist für einen Senior eine Katastrophe. Es ist zu niedrig, zu fest, und der Sitz ist eine Herausforderung. Wer aufsteht, braucht Halt. Und der kommt nur von Haltegriffen - aber die funktionieren nur, wenn das WC richtig montiert ist.

Das einzige, was wirklich funktioniert, ist ein wandhängendes WC. Es ist nicht nur modern, es ist sicher. Warum? Weil es auf einer Installation montiert wird, die in die Wand eingebaut wird. Diese Installation kann auf eine Höhe von 45 bis 50 cm eingestellt werden - ideal für ältere Menschen. Ein normales WC sitzt meist bei 40 cm. Das klingt nach wenig, aber für jemanden mit Knieproblemen ist das der Unterschied zwischen selbstständig sitzen und Hilfe brauchen.

Ein wandhängendes WC kostet etwa 1.375 Euro, inklusive Installation. Dazu kommen noch 140 Euro für die Montage. Klingt viel? Ein Standard-WC kostet 70 bis 100 Euro. Aber was ist der Preis, wenn jemand nach einem Sturz ins Krankenhaus muss? Die Deutsche Rentenversicherung hat berechnet: Eine altersgerechte WC-Installation spart langfristig bis zu 15.000 Euro an Pflegekosten.

Ein Bonus: Wand-WCs sind leichter zu reinigen. Keine Bodenplatte, kein Schmutzfleck. Das ist kein Luxus, das ist Hygiene.

Wandhängendes WC mit Haltegriffen und rutschfestem Fliesenboden, ideal für Senioren.

Kosten: Was wirklich drinsteckt

Ein kompletter Badumbau kostet zwischen 900 und 3.500 Euro pro Quadratmeter. Das klingt nach einem riesigen Betrag. Aber es hängt davon ab, was du willst.

  • Grundausstattung (bodengleiche Dusche, wandhängendes WC, Haltegriffe): 12.000-16.000 Euro
  • Gehobene Ausstattung (Smart-Home-Funktionen, Heizung, LED-Beleuchtung): 18.000-25.000 Euro
  • Einbau einer einfachen Duschwanne mit Schwelle: 4.000-6.000 Euro

Die größte Kostenfalle? Handwerker, die versprechen, „eine bodengleiche Dusche“ zu bauen, aber die Rohre nicht anpassen. Dann bleibt eine 1,5 cm hohe Schwelle - und das ist kein Umbau, das ist Betrug. Laut einer Umfrage von MyHammer.de (März 2025) passiert das bei fast jedem vierten Projekt.

Die gute Nachricht: Du bekommst Geld zurück. Die KfW fördert barrierefreie Umbauten mit bis zu 6.240 Euro pro Haushalt. Und seit Januar 2025 hat die Deutsche Rentenversicherung ihre Zuschüsse von 4.000 auf 6.000 Euro erhöht. Das ist kein Kleingeld. Das ist ein Anreiz, jetzt zu handeln - nicht in fünf Jahren.

Was du wirklich brauchst - und was du dir sparen kannst

Nicht jeder braucht eine Premium-Lösung. Nicht jeder braucht ein WC mit automatischer Deckelöffnung oder einen Bidet-Sitz mit Wärmefunktion. Die meisten Senioren brauchen drei Dinge: Sicherheit, Stabilität, Selbstständigkeit.

  • Notwendig: Bodengleiche Dusche, wandhängendes WC, Haltegriffe an Wand und WC, rutschfester Boden
  • Empfehlenswert: Duschsitz, Handbrause mit Halterung, Beleuchtung im Spiegelbereich
  • Überflüssig: Automatische Toiletten, teure Smart-Systeme, komplexe Thermostate

Ein einfacher Haltegriff an der Wand kostet 50 Euro. Eine Anti-Rutsch-Matte 20 Euro. Beides kann schon viel verändern. Aber sie ersetzen keinen bodengleichen Boden. Sie ergänzen ihn. Und das ist der Unterschied zwischen „ein bisschen besser“ und „sicher“.

Ältere Frau betritt sicher eine barrierefreie Dusche, symbolisch befreit von alten Gefahren.

Tipps von Menschen, die es schon gemacht haben

Was lernen Leute, die ein altersgerechtes Bad gebaut haben? Drei Dinge tauchen immer wieder auf:

  1. Vergleiche mindestens drei Angebote. Ein Handwerker in Linz bot mir 18.000 Euro für ein Bad, der nächste in Graz 13.500 Euro - mit identischem Material. Der Unterschied? Erfahrung.
  2. Prüfe die Garantie auf die Abdichtung. Die meisten Probleme entstehen nicht durch die Dusche, sondern durch undichte Nähte. Eine gute Garantie läuft mindestens 10 Jahre.
  3. Plan den Platz für Pflegekräfte ein. Wenn jemand später Hilfe braucht, muss ein Rollstuhl oder ein Pflegebett in die Dusche passen. Mindestens 150 cm Durchmesser - sonst ist es zu eng.

Ein Nutzer auf Reddit schrieb: „Meine Mutter war 87. Sie hat nach dem Umbau wieder selbst geduscht. Das war der Tag, an dem ich verstanden habe, warum man nicht spart, wenn es um Sicherheit geht.“

Die Zukunft: Smarte Lösungen, aber nicht zu viel

Im Jahr 2025 gibt es neue Technologien: Toiletten, die bei Stürzen automatisch einen Notruf senden. Duschsysteme, die die Wassertemperatur überwachen. Licht, das sich bei Bewegung einschaltet. Das klingt nach Zukunft. Und es ist teuer.

Die Firma Grohe hat im März 2025 ein System auf den Markt gebracht, das bei einem Sturz innerhalb von 30 Sekunden eine Nachricht an Angehörige sendet. Es kostet über 2.000 Euro extra. Ist es nötig? Für manche Ja. Für viele Nein. Die meisten Senioren brauchen erstmal eine sichere Dusche - nicht eine Smart-Toilette.

Experten wie Prof. Dr. Klaus Weber von der TU München warnen: „Überengineering ist das neue Problem. Wir bauen Bäder, die zu teuer sind, zu kompliziert - und die niemand braucht.“

Der Fokus bleibt: Sicherheit. Einfachheit. Selbstständigkeit. Nicht Technik um der Technik willen.

Was du jetzt tun kannst

Wenn du oder ein Familienmitglied über 65 ist - und das Badezimmer noch nicht barrierefrei ist - dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Nicht nächstes Jahr. Nicht, wenn es schon zu spät ist.

Erstelle eine Liste: Was ist heute schwierig? Beim Duschen? Beim Sitzen? Beim Aufstehen? Dann such dir einen Handwerker, der speziell auf altersgerechte Bäder spezialisiert ist. Frag nach Referenzen. Prüfe die Garantien. Und hole dir die Förderung - die KfW und die Rentenversicherung zahlen mit.

Ein altersgerechtes Bad ist keine Ausgabe. Es ist eine Investition in Freiheit. In Würde. In das Recht, selbst zu duschen - ohne Angst, ohne Hilfe, ohne Sturz.

2 Kommentare

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    Trevor Schultz

    Februar 3, 2026 AT 03:04
    Bodengleiche Dusche? Nein danke. Ich will meine Schwelle. Und wenn ich stürze, ist das mein Problem.
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    jörg burkhard

    Februar 3, 2026 AT 13:34
    Ich hab vor 3 Jahren mein Bad komplett umgebaut und weiß jetzt was ich weiß: Die meisten Handwerker sind blinde Hunde die nur billigste Ware verkaufen. Ich hab 14 Angebote eingeholt, 7 davon waren komplett falsch - die sagten 'bodengleiche Dusche' aber haben die Ablaufrinne nicht tief genug gemacht. Dann hab ich einen alten Tischler gefunden der früher für Behindertenverbände gebaut hat der hat mir die Abdichtung mit 15-jähriger Garantie gemacht. Die Kosten? 14200 Euro. Aber ich dusche seitdem ohne Angst. Und meine Frau sagt ich sei ein Spinner. Aber sie sagt es mit einem Lächeln. Und das zählt mehr als jeder Euro.

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